Warum haben wir Avenir Côte d'Ivoire gegründet?
Mission Statement der Gründerin
Mit Afrika verbinden wir hungernde Menschen, leidende Menschen, sterbende Menschen. Tagtäglich sehen wir solche Bilder im Fernsehen, und wir empfinden Mitleid. Wir haben schließlich volle Teller. "Kind, iss den Teller leer, in Afrika verhungern Menschen". Über die anderen, die positiven, schönen und fröhlichen Seiten Afrikas dagegen wird wenig berichtet. Aber ohne Kamera kein Leid, ohne die erschütternden Bilder keine Spenden. Das Leid braucht sein Forum, keine Frage. Aber für richtige Hilfe und echtes Verständnis müssen wir mehr von Afrika kennen als nur diese leidvollen Bilder.
Afrika hat viele Gesichter. Afrika ist kontrovers. Afrika ist absurd. Afrika ist faszinierend. Es gibt blühende Landschaften und riesige Wüsten, Berge, Seen, und Meer. Es gibt Hungersnot, Seuchen, Naturkatastrophen, Kriege und es gibt Aids. Aber auch zufriedene, lachende Menschen, fröhliche Kinder. Afrika bietet einen immensen Reichtum an Naturschätzen, eine prächtige Flora und Fauna und mittendrin zufrieden Familien, Frauen in farbenprächtigen Gewändern, Geschäftsleute in Nadelstreifen und fröhlich spielende Kinder im Kreis von nützlichen Haustieren und häuslichen Nutztieren. Kreative Modedesigner stellen anspruchsvollste Kreationen vor: Afro-Couture at it's best. Und die vielen Künstler, die mit imposanter Intensität die Farben Afrikas zwischen Tradition und Moderne einfangen, mit Fragezeichen und Ausrufezeichen gleichermaßen. Und sonntags wird bei Livemusik getanzt, gesungen, gelacht. Pure Lebensfreude und um die Ecke allertiefstes Elend.
Es gibt Champagnerparties mit Gänseleberpastete und Trüffeln in klimatisierten Prunksälen und am Hinterausgang nackte, erbärmliche Kreaturen,die in den Mülleimern nach Essensresten suchen. Es gibt wunderbare, unberührte Natur, kilometerlange, weiße Traumstrände, herrliche Palmenwälder und fast an jeder Kreuzung hässliche, stinkende Müllberge. Es gibt schaurige Voodoozeremonien und Mobiltelefone und Sendemasten mitten im Urwald. Es gibt Villenviertel, Barackensiedlungen und armselige Dörfer voller Waisenkinder. Ihre Eltern starben, weil sie die Existenz von Aids verdrängt haben, weil Verdrängen so einfach ist.
Nein, wir sind nicht schuld am Elend Afrikas. Wir haben nur das Glück, im priviligierten Europa geboren zu sein. Wir können auch nichts für die Verbrechen unserer weißen Vorfahren, die Mitverantwortung dafür tragen, dass Afrika heute so ist wie es ist: Unmündig, unselbständig, gebeutelt durch Sklavenhandel, Kolonialisierung und Missionierung. Wir sind nicht schuld, doch wir haben die Pflicht zu helfen und dafür zu sorgen, dass so etwas nie wieder passiert.
Schuldbewußtsein trübt vielmehr den klaren Blick auf die Dritte Welt und den gleichberechtigten Umgang mit ihr. Und es zwingt die Menschen dort in eine ewige Opferrolle. Warum sollen sie Verantwortung tragen? Warum Eigeninitiative entwickeln? Die Weißen schicken Geld und Hilfsgüter, bauen Schulen und Krankenäuser. Die Menschen hier tragen keine Eigenverantwortung, weil sie sie verlernt haben. Aber auch, weil es so am bequemsten ist.
Natürlich ist es wunderbar, dass es unzählige Hilfsorganisationen gibt und Menschen, die so zahlreich spenden. Allein aus Deutschland kamen im vergangenen Jahr über 2 Milliarden Euro Spendengelder. Die Ergebnisbilanz hingegen ist deprimierend. Korruption, Bürokratenwillkür, Diebstahl und Machtmissbrauch sind an der Tagesordnung. Spendengelder landen auf den Konten der ohnehin schon Reichen. Lebensrettende Medikamente verrotten in Lagerhallen. Viele der Hilfsgüterlieferungen sind nicht nur nutzlos, wertlos, sondern gar schädlich. Millionen von Spendengeldern versickern auf dubiosen Wegen. Viele läuft hier gründlich schief und kaum jemand versucht es zu ändern.
Die Vergangenheit hat es gezeigt: Einfach nur Geld oder Hilfsgüter zu schicken, das reicht nicht. Trotz der Milliardensummen, die Jahr für Jahr gespendet werden, verschlechtert sich die wirschaftliche Lage zusehends.
Um Afrika helfen zu können, muss man es verstehen. Mit all seinen Facetten. Erst dann können wir Probleme an der Wurzel packen, anstatt sie einfach nur zuzudecken. Die Selbstfindung Afrikas - ein langfristiger Prozeß und ein weiter Weg. Aber ein gangbarer Weg.
Das Zauberwort heißt Eigenverantwortung. Nur damit hat Afrika die Chance auf eine bessere Zukunft. Avenir Côte d'Ivoire hat sich dieser Aufgabe gestellt. Hilfe zur Selbsthilfe. Erstes Ziel ist der Ort Tiassalé mitten in der Elfenbeinküste. Anstatt Geld bieten wir Know How und fachliche Hilfe an auf dem Weg in die landwirtschaftliche Selbständigkeit und damit heraus aus der Armut. Es ist erst ein kleiner Schritt. Aber es ist ein Schritt in die richtige Richtung.
Angelika Holzwarth